In der Kritik: Das Deutsche Jugendinstitut (DJI)
Zur Problematik des Artikels
J. Zimmermann, J. Fichtner, S. Walper, U. Lux, H. Kindler:
Verdorbener Wein in neuen Schläuchen
- Warum wir allzu vereinfachte Vorstellungen
von 'Eltern-Kind-Entfremdung' hinter uns lassen müssen
(ZKJ 2/2023,
3/2023).
Daten und Datenfälschung
Ergebnisse von Studien und Publikationen sind wissenschaftliche Daten.
In den folgenden beiden Teilen wird aufgezeigt,
welche Formen von Datenmanipulation und Datenfälschung
im DJI-Artikel erkennbar sind.
Teil 2: Methoden der Lesermanipulation
Der DJI-Artikel*
verfälscht Aussagen und Inhalte wissenschaftlicher Publikationen und drängt Leser
in eine bestimmte Sichtweise zum Thema Eltern-Kind-Entfremdung.
Dazu wird 'Entfremdung'
zuerst sprachlich eliminiert, sodann thematisch,
durch folgende Grundstruktur:
Die Grundstruktur vereinfacht: der eigentliche Sachverhalt
(Entfremdung) wird in verharmlosende Begriffe umgewandelt (Kontaktprobleme),
um dann darzustellen, dass der Sachverhalt harmlos sei.
Im Detail:
- Leser werden in den Kapiteln 1-3 überzeugt, der Begriff "Entfremdung" sei fragwürdig, weshalb man "besser" von "Kontaktproblemen und Kontaktverweigerung" sprechen solle.
- "Kontaktverweigerung" wird dann jedoch ausgeblendet und Leser werden 'umgesteuert', weg vom Thema Eltern-Kind-Entfremdung und hin zum Thema "Kontaktprobleme".
- Unter einer manipulierten Darstellung von Aussagen und Inhalten wissenschaftlicher Publikationen wird dann dargestellt, dass Kontaktprobleme kaum Auswirkungen auf Kinder hätten.
- Durch die Kopplung (Entfremdung = Kontaktprobleme) verbleibt für Leser der Eindruck, dass demnach auch Eltern-Kind-Entfremdung kaum Auswirkungen auf Kinder haben dürfte.
A. Die 'Umsteuerung' der Leser
Kapitel 1 des DJI-Artikels bereitet Leser dafür vor,
der Begriff Entfremdung sei insgesamt problematisch,
was u. a. eine fingierte Referenz vermitteln soll
(s. Teil 1).
Kapitel 2 und 3 sollen dann überzeugen,
dass nicht der Begriff "Eltern-Kind-Entfremdung"
verwendet werden sollte, sondern alternative Begriffe.
Die Macht der Diskreditierung
Die vorherrschende Methode zur sprachlichen Elimination des Begriffs
Entfremdung ist die emotionale Sprache der ersten 5 Seiten:
Lesern wird durch unsachliche Diskreditierungen suggeriert,
'die anderen' würden sich irren, seien unprofessionell
oder würden z. B. aus einer "aktivistischen Grundhaltung" heraus übertreiben
[2], u. ä.
Passiv-Formulierungen erwecken dabei den Anschein von Neutralität:
... ein "unangemessen vereinfachendes Verständnis"
... Das Übernehmen von "tautologischen" Definitionen oder eines
"verzerrten, manchmal auch falschen Eindrucks des Diskussionsstandes
... Das Verfolgen von "Spekulationen ... und pauschalen Schuldzuweisungen"
... Einem "Kampfbegriff" anheimfallen
... Etwas "erkennbar unvollständig" systematisieren oder
auf eine Einladung zu "Missverständnissen und Fehlentscheidungen" hereinfallen
... Etwas aus "vermuteten Ursachen" erklären wollen
... Etwas glauben, das "nicht übermäßig plausibel" ist ... Usw.
Die Diskreditierungen sind stark und verunsichern, man könne ebenfalls
so "unangemessen vereinfachend" denken wie 'die anderen'.
Vielen Lesern wird nicht bewusst, dass sie 'umgesteuert' wurden:
Nach 5 Seiten des Lesens entsteht das Gefühl, es sei irgendwie un-intelligent,
von Eltern-Kind-Entfremdung zu sprechen, es könne nur, und müsse, um Kontaktprobleme gehen.
Auch Sie sind unserer Meinung.
Der DJI-Artikel will Leser-Solidarität gewinnen, durch Selbst-Erhöhungen und
implizite Erniedrigungen 'der anderen' unter Verwendung des kollektiven 'Wir's:
Das kollektive 'Wir' verhindert, zu bemerken,
dass oft nur suggestive Meinungsäußerungen vorliegen,
die begründungslos erfolgen.
Nur an einer Stelle wird bloßes Spekulieren offengelegt:
"... sodass wir vermuten, dass ... hier ... behauptet wird.
Dies ist allerdings unsere Spekulation".
- "Wir sind erschrocken, dass ... nicht erwähnt wird"
- "Wir halten dies für einen irreführenden Gebrauch oder Missbrauch von Wissenschaft"
- "Wir sind überzeugt, dass stattdessen eine umfassendere ... Betrachtungsweise notwendig ist"
- "Warum wir allzu vereinfachte Vorstellungen ... hinter uns lassen müssen"
B. Manipulation in 3 Schritten
Kapitel 4 soll Leser überzeugen, dass Kontaktprobleme
eigentlich kaum Auswirkungen auf Kinder hätten.
Dazu wird auf Adamsons & Johnson (2013) verwiesen,
die die Folgen von Vater-Abwesenheit für Kinder untersuchten.
Man beachte: es geht ab diesem Punkt nicht mehr um Entfremdung,
sondern um Vater-Kind-Beziehungen,
die am Ende als wenig relevant dargestellt werden sollen.
Die Lesermanipulation erfolgt in 3 Schritten:
- Schritt 1 (Verschweigen): Statistische Signifikanz wird verschwiegen, stattdessen werden, 4-fach wiederholend, "statistisch schwache Effekte" betont.
- Schritt 2 (Verändern / Verfälschen): Leser werden sodann auf eine Studie der Autoren gelenkt, die "fehlende Zusammenhänge ... bestätigen" würde (was nicht zutrifft).
- Schritt 3 (Verstärken): Abschließend und verallgemeinernd wird erwähnt, dass schwache statistische Effekte bedeuteten, "dass sich die Kinder in den untersuchten Gruppen kaum voneinander unterscheiden".
Schritt 1: Verschweigen
Adamsons & Johnson (2013) untersuchten die Folgen
von Vater-Abwesenheit durch eine Meta-Analyse.
Die Zusammenfassung des Original-Artikels wird in Fußnote
[1] bereitgestellt,
die verzerrenden Darstellungen des DJI-Artikels
in Fußnote [2].
Die folgenden Tabellen zeigen die Originalbefunde
im Vergleich zu den Darstellungen des DJI-Artikels:
| Adamsons & Johnson (2013) [1] | Darstellungen im DJI-Artikel [2] |
| Positive Formen der Einbindung getrennt lebender Väter sind für Kinder mit Vorteilen verbunden, basierend auf Effektgrößen, die klein, aber statistisch signifikant sind. | "Tatsächlich zeigen Meta-Analysen ... nur schwache negative statistische Effekte fehlender oder seltener Kontakte auf Wohlbefinden, psychische Gesundheit, Schule, soziale Fähigkeiten und Selbstvertrauen (z.B. Adamsons & Johnson, 2013). |
Die Effekte werden nicht korrekt beschrieben
(Klein, aber bedeutend),
sondern (unter Verschweigen der statistischen Signifikanz) als
Klein, deshalb unbedeutend,
was wenige Zeilen später hervorgehoben wird:
"... nur schwache negative statistische Effekte
... [die] ... bedeuten, dass sich die Kinder in den
untersuchten Gruppen kaum voneinander unterscheiden".
Argumentationsstruktur: Eltern-Kind-Entfremdung gibt es nicht,
weil Vater-Kind-Beziehungen nicht sehr bedeutend sind.
Schritt 2: Verändern / Verfälschen
Unmittelbar folgend wird eine eigene Studie erwähnt, die
"fehlende Zusammenhänge ... bestätige"
(was nicht zutrifft):
| Adamsons & Johnson (2013) [1] | Darstellungen im DJI-Artikel [2] |
| ... Die Einbindung getrennt lebender Väter ist am stärksten assoziiert mit dem sozialen und emotionalen Wohlbefinden, den schulischen Leistungen und dem Anpassungsverhalten der Kinder. | "Eine deutsche Studie, die den Befund fehlender Zusammenhänge zwischen Kontaktabbruch und späterer Depressivität und schulischem Selbstkonzept bestätigt, stammt etwa von Walper & Wendt (2011)" * |
* Die Studie bezieht sich auf Daten aus 1996 (27 Jahre vor Erscheinen des DJI-Artikels)
und zeigt Ergebnisse, die widersprüchlich und wenig nachvollziehbar sind
[4].
Es werden sodann weitere Ergebnisse verschwiegen: Auch die eigene Studie zeigt einen
signifikanten Effekt beim Allgemeinen Selbstwert der Kinder,
was nicht erwähnt wird. Es werden selektiv nur nicht-signifikante
Ergebnisse für
"Depressivität und schulisches Selbstkonzept"
berichtet [4].
Die Verzerrungen aus Schritt 1 sollen in Schritt 2
also durch zusätzliche Falschangaben untermauert werden.
Schritt 3: Verstärken
Abschließend (nachdem "schwache Effekte" 4-malig wiederholt wurden, s. u.),
werden Leser beeinflusst, dass sich die
"untersuchten Gruppen kaum voneinander unterscheiden"
würden:
| Adamsons & Johnson (2013) [1] | Darstellungen im DJI-Artikel [2] |
| ... Effektgrößen, die klein, aber statistisch signifikant sind ... am stärksten assoziiert mit ... | "... nur schwache negative statistische Effekte ..." [die] "... bedeuten, dass sich die Kinder in den untersuchten Gruppen kaum voneinander unterscheiden ... " * |
* Zu 'Repetitive Indoktrinierung' s.
[5].
Repetitive Indoktrinierung wird auch für Propaganda und Brainwashing benutzt:
Das beständige Wiederholen und Inokulieren derselben Phrase
oder desselben Slogans führt zu dem Glauben, dass es 'Wahrheit'
sei und nur diese Form der Wahrheit existiere und keine andere.
Der 'informierte' Leser
Lesern wird meist nicht bewusst, wie sie umgesteuert wurden:
Es geht nicht mehr um Eltern-Kind-Entfremdung,
sondern um Vater-Kind-Kontakte,
und diese seien kaum relevant, da 'schwache Effekte'.
Nicht Kinder, sondern Gender-Populismus
Der DJI-Artikel lässt sich an dieser Stelle vereinfachen,
denn er reduziert sich auf die Kernaussage
Kindern geht es nicht schlechter,
wenn sie wenig oder keinen Kontakt zum Vater haben.
Diese Zusammenfassung ist nicht über-vereinfachend,
denn die betreffende Autorin,
die sich als alleinerziehend beschreibt
[6],
vertrat bereits 2010 im hauseigenen DJI Bulletin die Meinung,
Väter brauche es eher für Unterhalts-Angelegenheiten, Zitat:
"Vor ein paar Jahren ging man noch davon aus,
dass das Kindeswohl leidet, wenn der Kontakt zum Vater
stark abnimmt oder gar abbricht.
Mittlerweile zeigen aber viele Studien,
dass die zuverlässige Zahlung des Unterhalts
und die Qualität des väterlichen Erziehungsverhaltens
deutlich ausschlaggebender sind"
[7].
Quellen ("aber viele Studien") werden nicht genannt.
Eine zuvor erschienene Metaanalyse (die dem zugrundeliegen müsste)
warnte explizit vor falschen Schlussfolgerungen dieser Art
[8].
Über Gender-Populismus hinaus
Für kindlichen Kontaktabbruch
kommen gemäß DJI Bulletin zwei Ursachen in Frage:
1) zu wenig väterliche Unterhaltszahlungen oder
2) zu wenig "Qualität des väterlichen Erziehungsverhaltens".
In solchen Schriften geht es nicht mehr um Kinder, sondern um
Gender-Politik und Gender-Diskriminierung, und um Geld.
Kinder und Kindeswohl werden instrumentalisiert,
als Anlass und als angebliche Argumentationsgrundlage,
und frei erfundene Behauptungen werden präsentiert,
als wären es 'wissenschaftliche Befunde' (vgl. Teil 1).
Defektes Studiendesign
Wie müsste eine Studie aussehen,
die die DJI-Autoren hätten verwenden können?
(Anstelle der eigenen Studie mit 1996er Daten, s. o.).
Eine geeignete Studie hätte erfordert,
entfremdete Kinder zu vergleichen mit anderen Kindern,
die nicht entfremdet wurden.
Die von den Autoren beigezogene, eigene Studie von Walper & Wendt
untersuchte jedoch, Zitat:
"die Identitätsentwicklung von Jugendlichen aus Adoptions- und Inseminationsfamilien"
[4].
Falls hier überhaupt entfremdete Kinder vorhanden waren, ist festzustellen:
- Die Studie ist ungeeignet und sachfremd für den Kontext Eltern-Kind-Entfremdung. Möglicherweise gibt es keine entfremdeten Kinder in dieser Studie.
- Für die Kinder in jener Studie ist völlig unbekannt, warum ein Vater, oder ein Kontakt zu ihm, nicht (mehr) existiert.
- Die Studie zeigt einen Effekt, der dann jedoch verschwiegen wird: bei Kindern, die in Bezug auf einen/den Vater "Nie Kontakt und keine Erinnerung" hatten/haben.
- Die Studie hat im Vergleich zu einer Metaanalyse mit 25.000 Kindern (s.u.) einen Stichprobenumfang, der nahezu unbedeutend ist.
Auf dieser Basis will der DJI-Artikel
eine international renommierte Metaanalyse kritisieren, wie folgt:
Wissenschaft Über Bord
Meta-Analysen stehen an der Spitze der sog.
Evidenzpyramide.
Eine Meta-Analyse vereint viele Studien
und ermittelt ein Ergebnis, das der Realität näher kommt als die Einzelstudien.
Solche Ergebnisse können nur schwer in Frage gestellt werden.
Die Studie von Adamsons & Johnson (2013),
die vom DJI angezweifelt bzw. verfälschend dargestellt wird,
ist eine solche Meta-Analyse:
Die Befundlage in Adamsons & Johnson (2013) ist also 'sehr stark'.
- Es wurden 52 Studien aus 31 Jahren zusammengefasst, mit einem Gesamt-Stichprobenumfang von über 25.000 Kindern,
- die Ergebnisse wurden in einer international hochrangigen Zeitschrift veröffentlicht und genießen seit Jahren unbezweifelte Anerkennung,
- die Ergebnisse wurden einer wissenschaftlichen Prüfung unterzogen (sog. Peer Review),
- die Ergebnisse bestätigen eine 1999 unabhängig durchgeführte Meta-Analyse, die ebenfalls in einer anerkannten Zeitschrift erschien,
- sodass, insgesamt gesehen, diese Ergebnisse kaum mehr in Frage gestellt werden können.
Die Befundlage in der "deutschen Studie"
der Drittautorin ist demgegenüber nicht stark, sondern katastrophal:
Daten, die 1996 für andere Zwecke erhoben wurden,
und gravierend: Sucht man
"fehlende Zusammenhänge"
in jener Quelle, stellt sich heraus, dass
sogar die eigenen Ergebnisse nicht korrekt berichtet werden:
Kinder haben ein schlechteres Selbstwertgefühl, wenn Väter fehlen -
Das sind eigene Ergebnisse der Drittautorin des Artikels
und diese Ergebnisse werden verschwiegen
[4].
Bumerang-Effekt verächtlichen Vermutens
Die Fehldarstellungen erfolgen, nachdem das Thema
"Befundlagen" von den Autoren so dargestellt wurde,
suggerierend, dass 'andere' übertreiben würden, Zitat:
"Eines der größten Probleme in zumindest einem Teil der Veröffentlichungen
von Vertreterinnen und Vertretern des Konzepts von 'Parental Alienation'
sind Überdehnungen der Befundlagen zu den negativen Folgen für Kinder"
[2].
Das Thema muss nun offenbar umgeschrieben werden:
Mit welchen Methoden kann Eltern-Kind-Entfremdung als
"Verdorbener Wein in neuen Schläuchen"
dargestellt werden.
Der DJI-Artikel zeigt die Methoden auf,
z. B. verächtliches Vermuten wie in
Fußnote 2
des Kapitels 4, Zitat:
"Ein Teil der vorfindbaren Überdehnung von Befundlagen
ist vermutlich einer aktivistischen Grundhaltung
bei manchen Autorinnen und Autoren geschuldet,
d. h. dem ehrenwerten Bestreben, gesellschaftliches Bewusstsein
für die Bedeutung des eigenen Anliegens zu schaffen".
Es drängt sich zunehmend die Frage auf, um welche
aktivistische Grundhaltung
es bei welchen
Autorinnen und Autoren
eigentlich geht.
Mehr noch entsteht die Frage:
Wie hoch ist das
tatsächliche Ausmaß des Fälschens von wissenschaftlichen Befunden
im DJI-Artikel? (s. Teil 3).
Ein Unschädliches Unterminieren?
Abseits vom 'Wissenschaftlichen' hat die Meta-Analyse
von Adamsons & Johnson (2013) ein Ergebnis,
das der gesunde Menschenverstand bejaht - um Sprache zu vereinfachen:
Eltern sind gut für Kinder.
Auch dies soll in Kapitel 4 in Frage gestellt werden:
ob das Unterminieren von Eltern-Kind-Beziehungen unschädlich sein könne - Zitat:
"Ob ein Unterminieren der Beziehung des Kindes zum anderen Elternteil
... Schädigungseffekte hat, ist nicht ganz klar"
[3].
Fragwürdigkeiten entstehen:
Könnte es sein, dass es keine "Schädigungseffekte" hat,
wenn Kindern die Beziehung zu einem Elternteil unterminiert wird?
Gekürzte Fassung des Absatzes:
"Ob ein Unterminieren der Beziehung des Kindes zum anderen Elternteil ...
zusätzliche Schädigungseffekte hat, ist nicht ganz klar.
Die große Mehrzahl der vorliegenden Studien
(für eine Forschungsübersicht s. Miralles et al., 2021)
... ist daher nicht aussagekräftig.
Es gibt jedoch erste einzelne Untersuchungen ..."
..., die darauf hindeuten.
Das DJI verweist auf Miralles et al. (2021) -
Teil 3 wird aufzeigen,
dass der DJI-Artikel die inhaltlichen Aussagen
wegweisender Publikationen in ihr Gegenteil verkehrt;
wie schon Teil 1 aufzeigte, werden Behauptungen in die Welt gesetzt,
die nicht nur frei erfunden sondern wahrheitswidrig sind.
Plädoyer
Abschließend wird dargestellt, welche inhaltlichen Aussagen
der vom DJI verwendete Artikel (Adamsons & Johnson, 2013) tatsächlich macht,
im Gegensatz zu den Darstellungen des DJI.
Hierzu werden deren Schlussfolgerungen übersetzt
- Leserinnen und Leser können sich so ein unmanipuliertes Urteil bilden,
was der Artikel tatsächlich berichtet:
Schlussfolgerungen in Adamsons & Johnson (2013):
Insgesamt bestätigen unsere Ergebnisse die anhaltende Bedeutung getrennt-lebender Väter für ihre Kinder.
... Dies hat wichtige politische Auswirkungen, denn obwohl Zeit und Geld die einfachsten Dinge sind,
die gesetzlich geregelt werden können, deuten unsere Ergebnisse darauf hin,
dass eine ausschließliche Konzentration auf Sorgerecht/Erziehungszeit und Kindesunterhalt
bei der Förderung des Wohlergehens der Kinder weitgehend wirkungslos sein wird
..., deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass die Beteiligung
getrennt-lebender Väter den Kindern in allen Bereichen zugute kommen kann ...
Handelt es sich beim DJI-Artikel um ein Fälscherwerk?
Dass das Verändern oder Verfälschen von Aussagen und Inhalten
wissenschaftlicher Publikationen nicht ausnahmsweise erfolgt,
sondern systematisch, wird in einem weiteren
Teil 3 aufgezeigt.
*
Hinweise zu sprachlichen Vereinfachungen:
Formulierungen wie 'DJI-Autoren' oder 'DJI-Artikel' werden vereinfachend verwendet
(die Affiliation des Zweitautors wird z. B. mit "in eigener Praxis" angegeben).
Es liegen z. T. komplizierte Sachverhalte vor, zur besseren Lesbarkeit
wird deshalb stellenweise das generische Maskulinum verwendet.
Beschreibungen beziehen sich, sofern nicht anders angegeben, auf alle Geschlechter.
Fußnoten
[1]
Abstract des Artikels Adamsons & Johnson (2013).
[2]
Auszüge des DJI-Artikels, Kapitel 4,
betreffend Artikel von Adamsons & Johnson (2013).
Fußnote 2 des DJI-Artikels wird unten rechts dargestellt.
[3]
Auszug des DJI-Artikels, Teil 1, Kapitel 4:
[4]
Die Bezugnahme zu jenem Artikel ist fragwürdig und erzeugt Widersprüche:
Walper & Wendt (2011)
untersuchten primär die
"Identitätsentwicklung von Jugendlichen aus Adoptions- und Inseminationsfamilien"
und nicht Fälle von Eltern-Kind-Entfremdung,
sondern Kinder nach ihrem
"(erinnerbaren) Kontakt zum Vater".
Tabelle 2 in jenem Artikel zeigt einen hoch-signifikanten Effekt
beim Allgemeinen Selbstwert von Kindern, die
Nie Kontakt und keine Erinnerung an den Vater hatten:
Im DJI-Artikel wurden die Ergebnisse zum Allgemeinen Selbstwert weggelassen und
"fehlende Zusammenhänge" berichtet.
Die Daten und ihre Widersprüchlichkeit sind irrelevant und irreführend:
Ein Bezug oder ein Studiendesign zum Thema Entfremdung lag nie vor,
es liegen Daten zugrunde, die 1996 erhoben wurden,
"in zwei westdeutschen Großstädten (Essen und München)
und drei ostdeutschen Städten (Halle/Saale, Leipzig und Dresden)",
um Ost-/West-Vergleiche zu ermöglichen, nach dem Fall der Mauer, usw.
Zahlen und Angaben sind nicht nachvollziehbar,
denn Kinder würden den höchsten Selbstwert berichten, wenn sie
Nie Kontakt und keine Erinnerung an den Vater gehabt hätten,
umgekehrt würden z. B. Kinder in Kernfamilien
höhere Werte für Depressivität berichten.
(Anm.: Möglicherweise hätten die erhobenen Scores revers kodiert werden müssen,
was jedoch zum Gegenteil führen würde:
die Kinder hätten einen signifikant niedrigeren Selbstwert.
Die Widersprüche sind nicht aufklärbar: Daten und Methoden werden nicht offengelegt
und eine Publikation zu den Daten aus 1996 wird nicht angegeben).
[5]
Repetitiv-indoktrinierende Betonung 'schwacher Effekte' im DJI-Artikel:
"Tatsächlich zeigen Meta-Analysen, ... bei einem Vergleich von Trennungskindern
nur schwache negative statistische Effekte ... . Schwache Effekte bedeuten,
dass sich die Kinder in den untersuchten Gruppen kaum voneinander unterscheiden ...
Generell reflektieren die schwachen Effekte
vermutlich den Umstand, dass Umgang prinzipiell positive wie negative Wirkungen haben kann ...
Die generell schwachen, aber noch positiven Zusammenhänge
zwischen Kontakt und dem Wohl von Trennungskindern generalisieren auch vermutlich nicht ohne Weiteres auf Fälle, ...".
[6]
Sabine Walper, Leiterin des DJI bis 2025, zu eigener Vaterlosigkeit
und Alleinerziehung im Interview mit der
ZEIT Nr. 41/2025
:
"Meine Mutter war alleinerziehend ... als ich geboren wurde
... Ich erfuhr erst als Jugendliche, wer mein Vater ist.
Bis dahin kannte ich ihn als humorvollen Familienfreund
... Ich hatte ja das Vorbild meiner Mutter, die das alles geschafft hat!
... Bei meinem ersten Sohn war ich eine Weile alleinerziehend
... Ich wollte zurück an die Uni ... kein schlechtes Gewissen,
als ich meinen Sohn mit 14 Monaten zu einer Tagesmutter gab ..."
[8]
Die Aussagen im DJI Bulletin stammen aus dem Jahr 2010 und müssten sich
demnach auf die Metaanalyse von Amato & Meyers (2009) beziehen.
Dort wird explizit betont, dass Kausalität nicht postuliert werden sollte,
weil finanzielle Unterstützung nicht notwendigerweise
die Ursache für bessere Eltern-Kind-Kontakte ist, sondern auch Folge sein kann
(Amato & Meyers, 2009: "The direction of causation, however, is unclear").
Demnach könnten wissenschaftliche Befunde in DJI-Quellen nicht erst 2023
verzerrend, verfälschend oder selektiv berichtet worden sein,
sondern möglicherweise bereits 2010 oder früher.