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Entfremdung

Eltern-Kind-Entfremdung (Parental Alienation, PA)

[Anm.: der ursprüngliche Begriff Parental Alienation Syndrom (PAS) ist veraltet und wurde ersetzt durch das allgemeinere Konzept Parental Alienation (PA)].
Bösartige Verläufe von Eltern-Kind-Entfremdung lassen Kinder über ihren Vater oder ihre Mutter sagen "Es wäre mir lieber, er wäre tot", oder "Sie soll aus meinem Leben verschwinden". Für Entfremdung gilt dabei dasselbe wie für Krebserkrankungen: man muss sich um Prävention und Früherkennung kümmern und darf nicht warten, bis nur noch Therapie bleibt (siehe Essay in "Genug Tränen" ).
Informative Video-Vorträge zum Thema wurden bei der PASG-Konferenz 2024 in Oslo zusammengestellt. Die Gesellschaft veröffentlichte ein frei verfügbares Buch zum Thema , in deutscher Übersetzung (s. Bild): Theorie der Eltern-Kind-Entfremdung: Offizielle Synopse, Verlag für Wissenschaft und Bildung, ISBN 978-3-86135-285-3 .

Inhalt

Was ist Eltern-Kind-Entfremdung?

Eltern-Kind Entfremdung ist, abhängig vom Schweregrad, eine ernst zu nehmende Form von psychischer Kindesmisshandlung (Boch-Galhau, 2018, Hirigoyen, 2024). Eltern-Kind Entfremdung kann auftreten, wenn eine Eltern-Kind-Beziehung entweder bereits ab der Geburt des Kindes verhindert oder später bzw. durch andere/äußere Einflüsse unterminiert wurde (Baumann, 2023).
[Anm.: In präziserer Sprache müsste von 'fremd-verursachter' Eltern-Kind-Entfremdung gesprochen werden, um andere Ursachen eines Beziehungsverlustes abzugrenzen, z. B. mangelndes Interesse oder psychische Probleme eines Elternteils]
Eltern-Entfremdung liegt vor, wenn z. B. Kriterien wie die folgenden vorliegen (Bernet, 2022):
  1. Das Kind verweigert den Kontakt zum betroffenen Elternteil oder lehnt diesen ab;
  2. Das Kind hatte zuvor eine gute Beziehung zu jenem Elternteil;
  3. Der Elternteil war dem Kind gegenüber weder gewalttätig, noch liegen Missbrauch oder grobe Vernachlässigung vor;
  4. Der andere Elternteil, den das Kind bevorzugt, verwendet mehrere Entfremdungsstrategien und -methoden; und
  5. Das Kind zeigt Anzeichen von psychischen Störungen oder Verhaltensstörungen, die einen Zusammenhang mit der Entfremdungs-Problematik erkennen lassen.
Im Lauf der Jahrzehnte wurden Modifikationen solcher Kriterien vorgeschlagen (z. B. Harman et al., 2018). Dies hat in Deutschland dazu geführt, dass man sich seit den 1990er Jahren nicht darauf einigen konnte, durch welche Kriterien Eltern-Kind-Entfremdung zu diagnostizieren ist.
Aus solchen Fehlentwicklungen heraus entstehen staatlich-strukturelle Formen der Kindesmisshandlung.

KiMiss & Eltern-Kind-Entfremdung

KiMiss-Methodik behandelt die unter dem o. g. Punkt 4 genannten Entfremdungsstrategien. Die Methodik basiert auf der Früherkennung der Problematik hostile-aggressive parenting, denn es hat sich gezeigt, dass entfremdende Elternteile reproduzierbar Verhaltensweisen einsetzen, wie sie von der KiMiss-Liste erfasst werden und in den KiMiss-Studien 2012 und 2016/17 untersucht wurden.
Die Problematik beschreibt sich oft durch einen einzelnen Satz: Für Frieden braucht es zwei, für Krieg reicht einer . Dies verneint nicht, dass auch entfremdete Elternteile ihren Anteil zum Problem beitragen können, die Frage lautet nur: Wieviel? Das KiMiss-Instrument beantwortet dies auf einer kontinuierlichen Skala, denn KiMiss-Methodik verlangt, dass diese Frage nicht durch ein über-vereinfachendes Ja oder Nein beantwortet wird.

Denialismus

Eltern-Kind-Entfremdung ist ein konflikt-befeuertes Thema und ist Desinformationskampagnen ausgesetzt. Ein Artikel von E. Kruk in Psychology Today (2023) beschreibt diese Problematik, die als 'Denialismus' bezeichnet wird und entsprechende Leugnungsstrategien beschreibt.
Anm.: Der Begriff Denialismus wird im deutschen Sprachgebrauch kaum verwendet; die direkte Übersetzung ist "Leugnung". Im Kontext von Eltern-Kind-Entfremdung kommen die Begriffe Missbrauchsleugnung oder Misshandlungsleugnung dem Begriff Denialismus am nächsten.

Desinformation

Eine der offensichtlichsten Desinformationskampagnen wurde 2022 von der UN-Sonderberichtserstatterin Reem Alsalem initiiert, die Eltern-Kind-Entfremdung als 'Pseudowissenschaft' propagierte, die (ausschließlich) von Männern und Väterrechtlern benutzt werde, um Gewalt gegen Frauen und Kinder ausüben zu können. Fundierte Informationen finden sich bei hochstrittig.org. Auch das KiMiss-Institut verfasste hierzu eine Stellungnahme.

Kritik an deutschem Kinderschutz

Desinformationskampagnen haben auch in Deutschland nicht Halt gemacht vor Institutionen des Kinderschutzes.
Ein besonders schwerwiegender Fall ging von Autoren des Deutschen Jugendinstitutes aus und zog sich hinauf bis zum Bundesverfassungsgericht, das auf der Basis von frei erfundenen Behauptungen eine Entscheidung begründete, die imstande ist, Kindesmisshandlungen strukturell zu verursachen. Der Gesamtvorgang wird auf einer separaten Seite beschrieben: Kritik.
Für kritische Betrachtungen aus klinisch-therapeutischer Sicht ist z. B. das Interview von Marie-France Hirigoyen (2024) in der Zeitschrift La Vie empfehlenswert, die auch die Schädlichkeit von Gender-Debatten anspricht.
Auch das KiMiss-Institut formuliert zu dieser Problematik ein 'Nein zu Gender-Debatten'.

Literatur

Eltern-Kind-Entfremdung wird in der englischen Sprache unter dem Begriff parental alienation geführt. Die Problematik wird seit ca 30 Jahren beforscht, in diesem Zeitraum entstanden mehr als 1000 Veröffentlichungen, die auf einer separaten Seite wie folgt gegliedert werden: Auf einige Veröffentlichungen wird unter der Rubrik Wissenschaft separat hingewiesen: s. Wissenschaft.
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