Ergebnisse der KiMiss-Studie 2016/17

Die Ergebnisse der Studie ergeben im Vergleich zu 2012 ein Bild mit zwei Seiten: während sich die Gesamtsituation, gemessen an der Anzahl der Studienteilnehmer, verbessert hat, hat sich der mittlere Grad von Hochstrittigkeit erhöht. Die Neuregelung des §1626a BGB verhindert offenbar nur gering- und mittelgradige Elternkonflikte, so dass sich hochstrittige Fälle in der verbleibenden Studienpopulation prozentual anreichern. Dies wird an drei Beispielen illustriert, insbesondere am Beispiel des Kindesentzugs, der mittlerweile einen prozentual höheren Anteil einnimmt als früher.

Die Daten wurden mit dem KiMiss-Algorithmus ausgewertet, der es erlaubt, eine familiäre Fallkonstellation durch einen Summenscore zu quantifizieren. 62% der berichteten Fallkonstellationen sind demnach als eine Form von Kindesmisshandlung oder -missbrauch zu klassifizieren. Die Ergebnisse zeigen auf, dass die Problembereiche zwischen emotionalem Missbrauch und psychischer Misshandlung nicht mehr vernachlässigt werden dürfen.

Positive Veränderungen seit der Neuregelung des §1626a BGB sind bei der Problematik Eltern-Kind-Entfremdung erkennbar. Seit 2012 hat sich der Anteil von Eltern, die eine vollständige Eltern-Kind-Entfremdung berichten, von 19% auf 9% halbiert. Die Daten zeigen mit Blick auf die Entfremdungs-Wahrscheinlichkeit, dass ein Umfang von 30% der Jahreszeit als eine minimal erforderliche Beziehungszeit formuliert werden muss und ein Umfang von 16% der Jahreszeit nicht unterschritten werden darf.

Die Befunde zeigen insgesamt, dass die breitere Durchführung der gemeinsamen Sorge sich positiv auf die Lebensbedingungen von Trennungskindern auswirkt. Die Prävention von Hochstrittigkeit kristallisiert sich andererseits als das neue Problem der kommenden Jahre heraus. Hochstrittigkeit muss unter dem Konzept der feindselig-aggressiven Elternbeziehung behandelt werden, wenn die dadurch erzeugten Fälle von emotionalem Kindesmissbrauch und von psychischer Misshandlung verhindert werden sollen.

Die Studie zeigt, dass das KiMiss Erhebungsverfahren zeitliche Veränderungen erfassen kann und sich für die Erhebung von Routinedaten eignet. Das Konzept des Verlusts von Kindeswohl eignet sich als Instrument zur Diagnostik und Prävention von Hochstrittigkeit, und es ermöglicht die Identifikation von Risikofaktoren und die Vorhersage von zeitlichen Trends im Leben von Trennungs- und Scheidungskindern.