Das KiMiss-Projekt untersucht die Frage, in welchem Ausmaß das Getrenntleben oder die Trennung von Eltern und Kindern zu einer Sorgerechtsproblematik, oder zu Problemen wie Eltern-Kind-Entfremdung oder Sorgerechtsmissbrauch führt. Ein langfristiges Ziel des Projekts ist, gesellschaftliche und praktizierbare Definitionen für Begriffe wie Sorgerechtsmissbrauch, Kindesmissbrauch oder Kindesmisshandlung zu entwickeln ...
Eine erste Datenerhebung wurde im Rahmen der KiMiss-Studie 2012 durchgeführt. Die Lebenssituation von Trennungs- und Scheidungskindern wurde aus der Sicht von Elternteilen erhoben, die getrennt von ihren Kindern leben und weniger Kontakt zu diesen haben, als sie sich wünschen. Die Berichte von 1170 Elternteilen zeigen schwerwiegende Probleme in den Bereichen zwischen Jugendwohlfahrt und familiengerichtlicher Praxis auf ...
Das Kindeswohl gilt einerseits als nicht definiert, es wird juristisch als unbestimmter Rechtsbegriff gehandhabt, und muss andererseits als eine Art Maß jeder sorgerechtlichen Entscheidung zugrunde liegen. Kindeswohl ist jedoch ebenso definierbar wie andere Maße der Lebensqualitäts-Forschung. Schaut man es sich genauer an, muss Kindeswohl als eine Quantität aufgefasst werden ...
Die Ergebnisse vorangegangener Arbeiten wurden zum KiMiss-Algorithmus zusammengeführt. Dieser erlaubt, das Ausmaß feindselig-aggressiven Elternverhaltens durch eine Maßzahl zu beschreiben, der als Verlust von Kindeswohl bezeichnet wird. Die Anwendung des Algorithmus auf die Daten der Studie 2012 kommt zu dem Ergebnis, dass feindselig-aggressives Elternverhalten in mindestens 50% der Fälle einer Form von Kindesmisshandlung oder -missbrauch gleichkommt ...
Die KiMiss-Studie 2016/17 ergibt ein Bild mit zwei Seiten. Die Teilnehmerzahl ist im Vergleich zu 2012 gesunken, was sich in mehrfacher Weise auf den positiven Einfluss der Neuregelung des §1626a BGB im Jahr 2013 zurückführen lässt. Andererseits hat sich der Grad von Hochstrittigkeit im Studienkollektiv 2016/17 erhöht. Die Neuregelung des §1626a kann hochstrittige Fälle offenbar nicht verhindern, so dass diese nun prozentual stärker hervortreten. Die Anwendung des KiMiss-Algorithmus auf die Daten der Studie 2016/17 kommt entsprechend zu dem Ergebnis, dass dies in 62% der Fälle zu einer Form von Kindesmisshandlung oder -missbrauch führt ...